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JESSIKA DIRKS,
BASED IN HANNOVER, D

Portraitfoto in Schwarzweiß von Jessika Dirks in ihrem Atelier im Spannhagengarten Hannover Deutschland Foto von Saskia Karl

Foto von Saskia Karl

SHE/HER

Ich arbeite an den Rissen zwischen Körper, Mensch und Welt.

 

Meine künstlerische Praxis entspringt einer Sehnsucht nach Wahrhaftigkeit – nicht als Behauptung, sondern als Zustand, der sich nur im Prozess, im Öffnen, im Entbergen einstellen kann. Meine Arbeiten verweigern sich der Verfügbarkeit und der Verdinglichung des Seins. Sie suchen nach Erfahrungsräumen jenseits herrschaftlicher Ordnung, jenseits eindeutiger Zuschreibung, jenseits eines Blicks, der trennt, kategorisiert und kontrolliert.

 

Ausgangspunkt meiner Arbeit war die eigene Körpererfahrung als Projektionsfläche patriarchaler Machtverhältnisse. In der Auseinandersetzung mit Scham, Schuld und Beschneidung wurde der Körper zum Archiv: für individuelle Verletzungen ebenso wie für kollektive Einschreibungen. In der Folge verlagerte sich mein Fokus zunehmend auf das ICH selbst – auf die Frage, was jenseits dieser Zuschreibungen liegt. Was bleibt, wenn die Raster von Geschlecht, Rolle, Funktion und Bewertung ihre Gültigkeit verlieren? Und wer oder was kann das Subjekt dann sein?

 

In diesem Prozess begann sich das ICH nicht zu stabilisieren, sondern aufzulösen – oder vielmehr: sich zu öffnen, ohne zu verschwinden. Meine Arbeit bewegt sich seither in einem Zwischenzustand: zwischen Auflösung und Manifestation, zwischen Analyse und Hingabe, zwischen kritischer Selbstbefragung und einer Sehnsucht nach Verwurzelung. Ich begreife diese Bewegung nicht als Regression oder Eskapismus, sondern als notwendige Gegenbewegung zu einer technologisierten, patriarchal geprägten Welt, die den Menschen zunehmend von seiner eigenen Körperlichkeit, Zyklizität und Naturhaftigkeit entfremdet.

 

Weiblichkeit erscheint in meiner Arbeit nicht als Identitätszuschreibung, sondern als Ursprung, als Ursuppe, als Prinzip des Werdens. Sie steht für das Zyklische, das Prozessuale, das Nicht-Lineare – für ein Wissen, das nicht dominiert, sondern trägt. Diese Perspektive stellt die westliche, männlich dominierte Aufklärung infrage, die Vernunft, Nützlichkeit und Kontrolle zur höchsten Instanz erhoben und dabei andere Formen des Wissens systematisch ausgeschlossen hat. Die Trennung von Mensch und Natur, von Körper und Geist, von Subjekt und Welt begreife ich als historische Ausnahme – mit bis heute wirksamen Folgen.

 

Meine Arbeiten reagieren auf diese Entfremdung nicht mit Erklärung oder Anklage, sondern mit Öffnung. In Malerei, multimedialen Arbeiten, Text, Klang und Installation entstehen Räume, die sich allen Sinnen anbieten. Sie sind nicht eindeutig, nicht abschließend lesbar. Wahrhaftigkeit wird hier nicht vermittelt, sondern erfahrbar – als Ahnung, als Irritation, als leises Wiedererkennen. Das Konfrontative, das manchen Betrachter:innen begegnet, liegt nicht in der Absicht meiner Arbeit, sondern in der Radikalität des Sichtbarmachens dessen, was lange verdrängt wurde.

 

Meine künstlerische Praxis ist kein Akt der Provokation um ihrer selbst willen. Sie ist ein sanft-radikales Entbergen. Ein Prozess, der Scheitern einschließt, der keine endgültigen Antworten verspricht und sich dennoch weigert, die bestehenden Verhältnisse als alternativlos hinzunehmen. Ich verstehe meine Arbeit als Einladung: zum Innehalten, zum Fühlen, zum Verlernen herrschaftlicher Bilder – und zur vorsichtigen Annäherung an ein Sein, das nicht optimiert, sondern verbunden ist.

EDUCATION

  • seit 2025 Studium Diplom Freie Kunst »Bildhauerei« Klasse David Zink-Yi an der HBK Braunschweig
     

  • 2014–2016 Master Gestaltung an der HAWK Hildesheim mit dem Fokus auf Grafik, Illus- tration, Buchkunst, Drucktechnik, Designethik und -philosophie
     

  • 2009–2013 Bachelor Bildende Kunst und Philosophie (Philosophie – Künste – Medien) mit dem künstlerischen Fokus auf analoge Fotografie und Bildhauerei an der Universität Hildesheim, u.a. unter Karl Möller (Meister- schüler bei R. Dörfler)

AWARDS & NOMINATIONS

  • 2026 STRABAG ART Award Nominierte

exhibitions solo/duo

  • 2026 ICH:MEDIUM, Stammelbachspeicher Hildesheim

  • 2026 Dem Himmel so, Kunstverein Gehrden

  • 2026 ÄPPELN UND APFELN, Worpswede
     

  • 2025 ICH:MEDIUM, Hannover

  • 2025 Subjekt: unbekannt, Hannover
     

  • 2024 Du sollst schön sein, Kwartier Nord, Hannover
     

  • 2022 SCHAM[los], artothek, Hannover, D

groupexhibitions

  • 2026 WITH A LITTLE HELP OF OUR FRIENDS, Museum für Photographie Braunschweig

  • 2026 KUNST EINFACH KAUFEN, artothek, Hannover

  • 2026 ALLE GEGEN ALLE, KONG, Hannover

  • 2026 Zinnober, Hannover

 

  • 2025 KUNST EINFACH KAUFEN, artothek, Hannover

  • 2025 ALLE GEGEN ALLE, KONG, Hannover

  • 2025 Zinnober, Hannover

  • 2025 Aus dem Orbit, Kwartier Nord, Hannover

  • 2025 Ist ANDERS SEIN das NEUE NORMAL?, Produzentengalerie 4h/art, Hannover

  • 2024 KUNST EINFACH KAUFEN, artothek, Hannover

  • 2024 ALLE GEGEN ALLE, KONG, Hannover

  • 2024 ZINNOBER HANNOVER, Kwartier Nord,

  • Hannover

publications

2022 FREMDKÖRPER, TANKE, Hannover (D)

collection/gallery

seit 2022 Künstlerin der artothek Hannover (D)

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