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scham
[los]
2022

scham
[los]
duo-ausstellung
andre germar &
Jessika dirks
arthothek hannover
2022




von schamloser objektivierung, bis hin zur objektifizierung – im akt des fotografierens, betrachtens, urteilens. hin zu erkenntnis, dem aufwachen, dem zurückgeworfen sein – auf sich selbst – manifestiert in acryl. im widerstreit zwischen selbst- und fremdobjektivierung, selbstoptimierung und fremdobjektifizierung. anklage und scham.
aus der froschperspektive richtet der fotograf sein objektiv auf sein motiv. beine ziehen vorüber, das blitzlicht schlägt in die luft. bikinis in gelb, pink, weiß huschen vorüber, das objektiv stellt scharf. ungeniert zieht die kamera die haut der identitätslosen frauen näher an ihren halter heran. keine distanz. das bloße, stechende hinsehen, ansehen. das erbarmungslose draufhalten. sie haben keine gesichter, diese jungen frauen der miss-wahl, die bühne der szenerie ist. sie sind bloße, junge, unbeholfene, ausgelieferte körper. die sich ihrer selbst und der situation, in die sie sich begeben haben, nicht bewusst sind. Ausgenutzt von gewaltvollen blicken, festgehalten in bildern, die rezipient:innen dazu zwingen, selbst teil der male gaze zu sein. keine chance die perspektive zu wechseln oder sich – aus scham oder abscheu – herauszunehmen. im gegenteil, die qualität der arbeit zwingt auf vielen ebenen zum hinsehen und dazu, sich an ihr zu ergötzen.
male gaze – von andre germar
im kontrast zu den bloßen körpern: anklagende gesichter auf leibern mit makeln, dellen, streifen und falten. uneben. zerlebt und in frage gestellt.
was das betrachtet-werden mit dem individuum macht, was sexistische, soziale verhaftung in rollen mit leib und seele anrichtet, manifestiert sich in acryl, nimmt die rezipient:innen in die verantwortung, stellung zu beziehen – vor dem anklagenden blick, vor sich selbst. seltsam märchenhaft zeigen die arbeiten keine erwartbaren körper oder gesichter oder orte, stattdessen sind es vereinzelte, verzerrte wesen. schüchtern, verschreckt, voller selbstzweifel klagen sie an und erzählen zugleich vom entkräfteten sowie hoffnungsvollen loslassen, schön sein zu müssen, schön sein zu wollen. diese arbeit zu betrachten, schafft ein hin- und hergeworfen-Sein, zwischen verurteilung und trost, anklage und verzeihen, des anderen, des selbst. zutiefst intim erzählt die arbeit von einer kranken gesellschaft.
du sollst schön sein – von jessika dirks
mit SCHAM[LOS] zwingen andre germars und jessika dirks arbeiten die rezipient:innen in die rollen der objektivierenden – de:r anderen und sich selbst. die dialektik der sich gegenüberstehenden perspektiven auf den körper der frau und das selbst erzwingt einen diskurs über die objektivierung der frau und den machtmissbrauch an ihrer körperlichkeit durch „den mann“, durch „die frau“, durch sich selbst, durch unsere gesellschaft – sowie die zaghafte wie fordernde frage nach hoffnung auf besserung.
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